14.7.07

Geschichte der Universität Münster in der NS-Zeit soll aufgearbeitet werden

Eine vom Rektorat der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU) eingesetzte Kommission zur Aufarbeitung der NS-Geschichte der Universität Münster hat am 12. Juli 2007 ihre Arbeit aufgenommen. Ihr gehören der renommierte Zeithistoriker Prof. Dr. Hans-Ulrich Thamer vom Historischen Seminar der WWU, die Universitätsarchivarin Dr. Sabine Happ, Anja Gussek-Revermann, stellvertretende Leiterin des Stadtarchivs Münster, Dr. Johannes Burkardt vom Staatsarchiv Münster sowie die Historikerin Gisela Möllenhoff, Mitautorin des Buches "Geschichte der Juden in Münster", und zahlreiche Vertreter der Fachbereiche an. Den Vorsitz hat Prof. Thamer. Als Gast war die amerikanische Historikerin Prof. Dr. Sheila F. Weiss bei der konstituierenden Sitzung vertreten, die derzeit in Münster zur Person des Humangenetikers Prof. Dr. Otmar Freiherr von Verschuer, dem Doktorvater von Josef Mengele, forscht.

Die Kommission will die Geschichte der Universität Münster in der Mitte des 20. Jahrhunderts mit besonderem Schwerpunkt auf der Zeit des nationalsozialistischen Regimes und der anschließenden Entnazifizierung erforschen. Zwar sind schon zahlreiche Staats- und Examensarbeiten zu Einzelaspekten oder zu einzelnen Fächern entstanden, doch noch gibt es Lücken, die zu füllen sind. Die Kommission erarbeitet jetzt ein Konzept, mit dessen Hilfe die Fachbereiche ihre eigenen Geschichte aufarbeiten sollen. In einem ersten Schritt sollen all jene Staats-, Examens- und Doktorarbeiten, die bereits zum Thema existieren, und potenzielle neue Quellen aufgelistet werden. Die NS-Kommission wird nach den Worten ihres Vorsitzenden Prof. Thamer ihre schwierige und umfangreiche Arbeit zügig und mit allem Nachdruck in Angriff nehmen. Ergebnisse seien aber nicht von heute auf morgen zu erwarten. Prof. Thamer: "Wir wollen keine Schnellschüsse, sondern sorgfältige und wissenschaftlich haltbare Ergebnisse!"

Kontakt:
Westfälische Wilhelms-Universität
Historisches Seminar
Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte
Prof. Dr. Hans-Ulrich Thamer
Domplatz 20-22
48143 Münster
Fon: +49 / 251 / 83 - 2 43 22
FAX: +49/ 251 / 83 - 2 43 82
Sekr.: +49 / 251 / 83 - 2 43 20

Quelle: WWU Münster, Pressemitteilung, 13.7.2007

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11.7.07

Fünf neue Projekte im Niedersächsischen Staatsarchiv Wolfenbüttel

Das Niedersächsische Staatsarchiv Wolfenbüttel hat kürzlich fünf Projekte vorgestellt, die zur Zeit in Angriff genommen werden. Das erste Projekt des Niedersächsischen Staatsarchivs Wolfenbüttel ist die Bearbeitung und Auswertung von zwölf Metern Akten, die Silke Wagener-Fimpel auf dem Dachboden der Kreisverwaltung entdeckt hat. Darin finden sich unter anderem Anträge von Sowjetzonenflüchtlingen auf finanzielle Unterstützung. Außerdem erhält man Informationen über deren bisheriges Leben und erfährt auch die Gründe für ihre Flucht nach Wolfenbüttel. Durch diese Akten kann die örtliche Nachkriegsgeschichte durch wichtige Details ergänzt werden.

Das zweite Projekt hat sich zum Ziel gesetzt, die rund 1.000 Meter Archivgut des Stadtarchivs Helmstedt in einer Datenbank zu erfassen. Stadtarchivarin Melsene Bittó gab einen Überblick über die wechselvolle Geschichte des früheren Rats- und jetzigen Stadtarchivs, das zum ersten Mal im Jahre 1301 erwähnt wird. Nachdem es im Laufe der Jahrhunderte oft vernachlässigt wurde und auch die Standorte nicht immer ideal für die Akten waren, befindet es sich seit 1994 im ersten Stockwerk des ehemaligen Kaiserlichen Postamtes. Nach Abschluss der Aktenerfassung kehren die Archivalien nach Helmstedt zurück und werden dann in säurefreien Kartons gelagert.

Im dritten Projekt werden auch die Akten des Stadtarchivs Hornburg in einer Datenbank erfasst. Dr. Sibylle Heise, die ehrenamtlich im Stadtarchiv arbeitet, erklärte, dass das Stadtarchiv nur bis zum Ende des Ersten Weltkrieges geführt worden sei. Durch die Erfassung der Unterlagen könnte man auf Umfragen zur Wirtschaft vor Ort zurückgreifen, so dass nun auch die Sozialstruktur der Stadt untersucht werden könne. Außerdem habe man neue wichtige Erkenntnisse zum Bau der Marienkirche in Hornburg gewonnen.

Das vierte Projekt hat sich die Aufarbeitung von 6. 000 Akten aus dem ehemaligen Strafgefängnis Wolfenbüttel zum Ziel gesetzt, das in eine Gedenkstätte umgewandelt wurde und sich in der JVA Wolfenbüttel befindet. Gedenkstättenleiter Wilfried Knauer erläuterte, dass diese Akten das Wirken der NS-Justiz und der Geheimen Staatspolizei belegen. Nach Verbüßung der Strafe wurde eine große Anzahl Gefangener, darunter vor allem politische Häftlinge, Zeugen Jehovas oder auch Homosexuelle an diese beiden Institutionen überstellt, die sie dann in Konzentrationslagern unterbrachten.

Im fünften Projekt wird von Martin Fimpel das seit 2005 bestehende Niedersächsische Wirtschaftsarchiv Braunschweig ausgewertet. Viele Akten belegen, dass auch wirtschaftliche Beziehungen mit der ehemaligen DDR bestanden und auch Geschäftsverbindungen in Krisengebiete keine Seltenheit waren. Ziel des Niedersächsischen Wirtschaftsarchivs Braunschweig ist es, das historisch wertvolle Schriftgut der Wirtschaft zu sichern, zu erschließen und der Forschung verfügbar zu machen.

Kontakt:
Niedersächsisches Landesarchiv-Staatsarchiv Wolfenbüttel
Forstweg 2
38302 Wolfenbüttel
Tel.: 05331 / 935 - 0
Fax: 05331 / 935 - 211
Wolfenbuettel@nla.niedersachsen.de

Quelle: Karl-Ernst Hueske, newsclick.de, 7.7.2007

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7.7.07

Forschungsstelle Magdeburger Recht neu besetzt

Inzwischen ist es gut drei Jahre her, dass in Magdeburg ein Forschungsprojekt unter dem Titel „Das Magdeburger Recht als Wirtschaftsfaktor in Ostmitteleuropa“ seine Arbeit aufnahm. Die Initiative und Leitung der Forschungsstelle liegt in den Händen des Professors für Bürgerliches Recht, Europäische, Deutsche und Sächsische Rechtsgeschichte an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Prof. Dr. iur. Heiner Lück, der als Sekretar der Philologisch-historischen Klasse dem Präsidium der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig angehört. 2002 wurde er mit dem Eike-von-Repgow-Preis der Landeshauptstadt Magdeburg und der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg für seine Leistungen bei der Verbreitung des Wissens über Eike von Repgow, den Sachsenspiegel und das Magdeburger Recht ausgezeichnet.

Der Förderzeitraum für das Magdeburger Forschungsvorhaben war auf drei Jahre beschränkt und endete im März dieses Jahres. Vom 1. April 2004 bis zum 31. März 2007 leistete die Rechtshistorikerin Marion Perrin die Projektarbeit in Magdeburg mit großem Engagement. Es ist sicher nicht zuletzt ihr Verdienst, dass bereits vor Auslaufen der im Rahmen einer Kooperation des Landes Sachsen-Anhalt, der beiden Universitäten des Landes und der Landeshauptstadt Magdeburg geförderten Stelle, die Weichen für eine Fortführung gestellt wurden. Das Projekt wurde dem seit Beginn 2004 bestehenden, von Prof. Lück und dem Leipziger Slawisten und Akademiemitglied Prof. Dr. Dr. h. c. Ernst Eichler geleiteten Arbeitsvorhaben „Das sächsisch-magdeburgische Recht als kulturelles Bindeglied zwischen den Rechtsordnungen Ost- und Mitteleuropas“ an der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig zugeordnet. Die ohnehin in den letzten Jahren intensiv praktizierte Kooperation zwischen diesen beiden Arbeitsstellen in Leipzig und Magdeburg erhielt so eine verlässliche Basis und eine langfristige Perspektive bis zum Laufzeitende des Akademievorhabens Ende 2018. Für die zum 1. Januar 2007 eingerichtete Stelle konnte die aus Ungarn stammende Rechtshistorikerin Dr. Katalin Gönczi gewonnen werden, die ihre Arbeit am 1. Juni 2007 in Magdeburg aufgenommen hat. Vorher war sie u. a. als Mitarbeiterin des Max-Planck-Instituts für Europäische Rechtsgeschichte sowie in der universitären Lehre in Deutschland und Ungarn tätig.

Die Bedeutung des Magdeburger Stadtrechts, das mit Privilegien bereits im 10. und 11. Jahrhundert seinen Anfang nahm, zunächst zahlreichen benachbarten Städten verliehen wurde und sich schließlich ab dem 13. Jahrhundert, in Einzelfällen bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts, auf dem Wege der Bewidmung bis weit nach Osteuropa ausgebreitet hat, ist seit langem bekannt und unbestritten. Es war in diesem Zeitraum eine verbindende Grundlage für das wirtschaftlich-kulturelle Leben in den Gebieten seiner Verbreitung. Es ist daher kein Zufall, dass die Länder, die im Mai 2004 der Europäischen Union beigetreten sind, zum größten Teil zu jenen Ländern gehören, in denen das Magdeburger Stadtrecht und der Sachsenspiegel Anwendung fanden. Die Zusammenhänge, die sich auf rechtlicher und sprachlicher Ebene aus diesem Prozess der Aneignung des sächsisch-magdeburgischen Rechts ergeben, sollen vornehmlich aus der Perspektive der jeweiligen landessprachlichen Rezeptionszeugnisse untersucht werden.

Dr. Katalin Gönczi wird die 2004 von Marion Perrin begonnene Arbeit fortsetzen. Die Vermittlung des Wissens über das sächsisch-magdeburgische Recht besonders in der Landeshauptstadt Magdeburg wird hierbei weiterhin einen Schwerpunkt bilden. Gemeinsam mit der Arbeitsstelle in Leipzig soll darüber hinaus anhand ausgewählter Textzeugen und Rechtstermini die Verbreitung und Rezeption dieses Rechts bis hinein in die Rechtskodifikationen des 19. und 20. Jahrhunderts untersucht werden. Flankiert werden die Leipziger und Magdeburger Forschungen durch ein internationales Netzwerk, dem u. a. Wissenschaftler in Litauen, Russland, Weißrussland, der Ukraine, der Slowakei, Ungarn, Tschechien und Polen angehören. Die Ergebnisse dieses Forschungsvorhabens sollen schließlich dazu beizutragen, auf der Basis der einst vorhandenen rechtlichen und kulturellen Gemeinsamkeiten die heutigen Beziehungen zwischen den Ländern Ost- und Mitteleuropas auszubauen und zu festigen. Hierfür ist Magdeburg auch heute nicht nur ein besonders geeigneter, sondern von der Geschichte prädestinierter und damit unverzichtbarer Standort. Die Forschungsstelle zum Magdeburger Recht befindet sich im Alten Rathaus zu Magdeburg und ist dem Stadtarchiv Magdeburg zugeordnet.

Kontakt:
Stadtarchiv Magdeburg
Dr. Katalin Gönczi
Bei der Hauptwache 4
39104 Magdeburg
Tel.: 0391 / 5 40 23 47
goenczi@saw-leipzig.de

Quelle: Presseinformation Landeshauptstadt Magdeburg, 5.7.2007

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25.6.07

Mülheim startet Projekte zum Stadtjubiläum 2008

Anlässlich ihres 200. Geburtstags im Februar 2008 hat die Stadt Mülheim jetzt drei Projekte unter dem Titel "Heimathafen - Verankerung in Mülheim an der Ruhr" gestartet. Das erste Projekt "Migration und Geschichte" ruft Menschen weltweit auf, in einem Internetportal oder vor Ort bei der VHS zu erzählen, wann und warum sie nach Mülheim kamen und wie ihr Leben hier verläuft bzw. verlaufen ist. Das zweite Projekt, das von der Mülheim & Business GmbH gemeinsam mit dem Stadtarchiv Mülheim entwickelt wurde, ruft vor allem Kinder und Jugendliche zur Beschäftigung mit der Geschichte ihrer Stadt in Gedichten, Videos, Bildern und Texten auf. Der Wettbewerb "Mülheim.YOURbiläum 1808.2008.2208 - Stadt im Fluss" bietet Einzelpersonen oder Gruppen Gelegenheit sich sowohl mit der Vergangenheit als auch mit der Zukunft auseinander zu setzen. Beim dritten Projekt "Erinnere deine Stadt" sind alle Mülheimer Bürger aufgerufen, entweder ihre eigene Geschichte zu erzählen oder die Geschichten anderer zu sammeln. Die Stadt Mülheim hofft auf eine große Resonanz in der Bevölkerung, damit bis zum Jubiläum eine umfassende Geschichte Mülheims verfasst werden kann, die das Leben aller Mülheimer Bürger widerspiegelt.

Kontakt:
Stadtarchiv Mülheim an der Ruhr
Aktienstraße 85
45473 Mülheim an der Ruhr
Tel.: 02 08 / 455 4263
Fax: 02 08 / 455 4279
stadtarchiv@stadt-mh.de

Quelle: Aktuelle Mitteilungen Stadtarchiv Mülheim, 15.6.2007; Andrea Hoymann, WAZ, 18.6.2007

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23.6.07

Nachforschungen im Stadtarchiv Recklinghausen über Zwangsarbeiter beendet

250 Anträge von ehemaligen Zwangsarbeitern wurden in den letzten Jahren im Stadtarchiv Recklinghausen bearbeitet. Da es nur noch sehr wenige Unterlagen darüber gibt, gestaltete sich die Suche nach Anspruchsberechtigten äußerst schwierig. Vorhanden sind nur noch die Belegschaftsbücher der Zeche Blumenthal, in denen die Zwangsarbeiter aus formalen Gründen als Bergarbeiter geführt wurden, allerdings ohne jeglichen Lohn. Wie Stadtarchivar Dr. Matthias Kordes herausfand, wurde die überwiegende Zahl der Zwangsarbeiter, die hauptsächlich aus der Ukraine stammten, im Kohlebergbau eingesetzt. Dieses geschah aus dem Grund, weil dort kriegsbedingt viele Arbeitskräfte fehlten. Aus diesem Grunde wurden dort tausende von Zwangsarbeitern eingesetzt, um die nationale Energiegewinnung sicher zu stellen. Da bereits viele von ihnen verstorben oder aufgrund ihres Alters nicht mehr in der Lage sind, sich um die ihnen zustehenden Entschädigungszahlungen zu bemühen, fällt die Zahl der bearbeiteten Anträge relativ klein aus.

Kontakt:
Stadt- und Vestisches Archiv Recklinghausen
Hohenzollernstr. 12
45659 Recklinghausen
Tel.: 02361 / 50 - 1901
Fax: 02361 / 50 - 1901
Matthias.Kordes@recklinghausen.de

Quelle: Georg Bockey, WAZ, 19.6.2007

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1.6.07

Berliner Landesarchiv verstärkt Zusammenarbeit mit Schulen

Seit einiger Zeit gibt es eine enge Zusammenarbeit zwischen dem Berliner Landesarchiv und Berliner Schulen. Mit der Unterstützung der Archivare lernen die Schüler das umfangreiche Quellenmaterial vor Ort kennen, das dann auch in verstärktem Maße im Unterricht Verwendung findet. In einem der aktuellen Projekte haben 15 Abiturienten der Thomas-Mann-Oberschule in Berlin-Reinickendorf sich ein halbes Jahr lang mit den Lebenswegen jüdischer Bürger aus dem Bezirk Reinickendorf beschäftigt. Dabei forschten sie nicht nur im Archiv, sondern befragten auch Angehörige und Zeitzeugen. Die Ergebnisse ihrer Recherchen präsentierten sie am 31. Mai 2007 im Berliner Landesarchiv. Des Weiteren sollen ihre Nachforschungen dem Kölner Bildhauer Günter Demnig als Grundlage für die Verlegung neuer Stolpersteine dienen, mit denen er seit 1995 in zahlreichen deutschen Städten an Menschen erinnert, die von den Nazis deportiert wurden. Der 10 mal 10 Zentimeter kleine Betonwürfel ragt wenige Millimeter aus dem Boden heraus. Auf der Oberseite befindet sich eine Messingplatte, auf der eingraviert wurde "Hier wohnte ...", dann folgen Name, Geburtsjahr und das Datum der Deportation oder des Todes. Sie sollen überall dort ins Pflaster eingelassen werden, wo die betroffenen Personen einst lebten. Für sein Projekt STOLPERSTEINE erhielt Gunter Demnig 2005 sogar den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland.

Kontakt:
Landesarchiv Berlin
Eichborndamm 115 - 121
13403 Berlin
Tel.: 0 30 / 90264 - 0
Fax: 0 30 / 90264 - 201
info@landesarchiv-berlin.de

Quelle: Berliner Zeitung, 31.5.2007

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30.5.07

Auszeichnung für Kulturstrolche in Münster

Grund zum Feiern hatten die Kulturstrolche aus vier münsterschen Grundschulen. Im Festsaal des Rathauses nahmen sie am 29. Mai 2007 einen Pokal entgegen - Auszeichnung für die Kulturstrolche Münster als "Ausgewählter Ort im Land der Ideen 2007". Christoph Wintgen von der Deutschen Bank Münster und Münsterland überreichte den Pokal. Erste Gratulantin war Münsters Schul- und Kulturdezernentin Dr. Andrea Hanke. "Kulturstrolche" ist ein Ämter übergreifendes Projekt des Dezernates für Bildung, Familie, Jugend, Kultur und Sport (siehe Bericht vom 24.4.2006). Während einer dreijährigen Pilotphase beteiligen sich 200 Kinder aus der Bodelschwinghschule, Grundschule Kinderhaus-West, Martinischule und Paul-Gerhardt-Schule. Ziel des Kulturstrolche-Projektes: Bis zum Ende der Grundschulzeit lernt jedes Kind alle städtischen Kultureinrichtungen kennen. Unabhängig vom Geldbeutel und den Interessen der Eltern entdecken die Kinder "herumstrolchend" die Einrichtungen. Sie erleben Theater- und Konzertproben, befragen Künstler, schauen hinter die Kulissen, studieren spannende Geschichtsdokumente oder stöbern im Archiv. Bei ihren Besuchen lernen die Drittklässler von vier Grundschulen im Klassenverband oder in kleineren Gruppen jedoch nicht nur die Kulturstätten, sondern auch die dort arbeitenden Menschen kennen. Ob Stadtmuseum oder Bürgerfunk: Kultur macht Kinder klug, sensibel, tolerant und neugierig. Und auch die Kulturschaffenden müssen sich ob der neugierigen Kinderfragen mal wieder in Frage stellen. Obendrein gibt es für jeden Besuch in einer Einrichtung noch einen Sticker fürs Kulturstrolche-Sammelheft.

Kulturpartner sind: Stadtarchiv Münster, Stadtbücherei, Stadtmuseum und Städtische Bühnen sowie Musikschule, Villa ten Hompel, Volkshochschule, Ausstellungshalle und Begegnungszentrum Meerwiese. Die Federführung liegt beim Amt für Schule und Weiterbildung. Die Kulturstrolche Münster hatten sich als einer von mehr als 1.500 "Orten" am Wettbewerb "365 Orte im Land der Ideen" beteiligt, der gemeinsam von der Deutschen Bank und der Standortinitiative "Deutschland - Land der Ideen" durchgeführt wurde. Die Deutsche Bank ermöglicht als Partner der Initiative diese Aktion. "Mit '365 Orten im Land der Ideen' entsteht ein Netzwerk von Leistungskraft, visionärem Denken, kreativer Leidenschaft und unternehmerischem Mut in Deutschland", so Christoph Wintgen. Schirmherr der Standortinitiative ist Bundespräsident Horst Köhler.

Kontakt:
Kulturstrolche in Münster
Klemensstraße 10
48127 Münster
Tel : 0251 / 4924071

Quelle: Pressemeldung Stadt Münster, 29.5.2007; Kulturstrolche-Fest, 29.5.2007

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28.5.07

Wettbewerb »Archiv und Jugend«

»Archiv und Jugend« ist ein Wettbewerb des Landes Nordrhein-Westfalen in Kooperation mit den Landschaftsverbänden Rheinland und Westfalen-Lippe. Die Landesregierung möchte die Archive animieren, sich verstärkt um das Interesse Jugendlicher zu bemühen. Zu diesem Zweck führt sie in Kooperation mit den Landschaftsverbänden Rheinland und Westfalen-Lippe den Wettbewerb „Archiv und Jugend“ durch und stellt hierfür im Jahr 2007 einen Betrag von 100.000 € zur Verfügung.

Teilnehmen können Archive in kommunaler, privater und kirchlicher Trägerschaft sowie die Abteilungen des Landesarchivs Nordrhein-Westfalen.

Die Archive werden aufgerufen, ggf. auch im Verbund mit anderen Archiven, Projektideen zum Thema des Wettbewerbs zu entwickeln, die folgenden Anforderungen entsprechen:
  • Ihre Zielgruppe sind Jugendliche ab etwa 12 Jahre. Dabei ist unerheblich, ob bestehende Gruppierungen angesprochen werden oder sich im Rahmen des jeweiligen Projekts Jugendliche zu einer Gruppe zusammenfinden.
  • Sie zeigen über die gängige Praxis der Archivpädagogik hinaus neue Wege auf, Jugendliche für die Kulturinstitution „Archiv“, deren Auftrag, Funktion, Nutzung und Fragestellungen zu interessieren, sie an die Archivarbeit heranzuführen und ggf. aktiv zu beteiligen.
  • Sie haben Modellcharakter, d.h. sind im Grundsatz auf andere Archive bzw. Orte übertragbar.
  • Sie haben nachhaltige Wirkung, d.h. sie haben einen dauerhaften Nutzen bzw. sind wiederholt durchführbar.
  • Bei Projekten zwischen Archiven und Schulen müssen diese als zusätzliches Angebot zum Unterricht realisiert werden, d.h. sie dürfen den Schulunterricht nicht ersetzen.
Die Auswahl der besten Projektideen, die für ihre Realisierung eine finanzielle Unterstützung erhalten sollen, erfolgt durch eine Fachjury, die von der Landesregierung und den Landschaftsverbänden berufen wird. Für die Durchführung der ausgewählten Projekte stellt das Land Mittel in Höhe von 80% der Gesamtkosten des Projekts, maximal 8.000 €, zur Verfügung. Erforderlich ist ein Eigenanteil des Archivträgers in Höhe von 20%. Hiervon kann die Hälfte durch Komplementärmittel Dritter erbracht werden.

Projektideen können bis zum 31.8.2007 beim Westfälischen Archivamt oder beim Rheinischen Archiv- und Museumsamt eingereicht werden. Die Bewerbung sollte enthalten: eine Projektkonzeption, den Durchführungszeitraum (zwischen dem 1.10.2007 und dem 31.12.2008), eine Kosten- und Finanzierungsübersicht.

Download der Ausschreibung als PDF-Datei

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27.5.07

Forschung zum Department of Defense Dependent Schools

Überall auf der Welt, wo US-amerikanisches Militär stationiert ist, finden sich Schulen für die Kinder der Militärangehörigen. Auch in Würzburg gibt es bereits seit 1946 solche Einrichtungen, an denen neben amerikanischen Lehrern einheimische Lehrkräfte den Schülern Kenntnisse der Landessprache und -kultur vermitteln. Mit der Geschichte dieser Schulen beschäftigt sich Simone Gutwerk in ihrer Doktorarbeit. Zum Quellenstudium reiste die wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Grundschulpädagogik und -didaktik der Universität Würzburg nach Kansas. Wenn im Herbst 2008 die US-amerikanischen Truppen Würzburg verlassen, endet auch ein Kapitel lokaler Schulgeschichte mit einer mehr als 50-jährigen Tradition. 1946 hatte das Militär die erste Grundschule für die Kinder der hier stationierten Soldaten eröffnet. Untergebracht war sie damals im Gebäude der heutigen Goethe-Schule. Wegen der stetig steigenden Schülerzahlen war ein Umzug bald notwendig. 1951 nahmen auf dem Gelände der Leighton Barracks drei Schulen (Elementary, Middle und High School) den Betrieb auf. Bis vor einigen Jahren wurden hier zeitweise bis zu 2.000 Schüler und Schülerinnen unterrichtet. Mit dem Aus für den hiesigen Truppenstandort endet auch für Würzburg eine Besonderheit, die allen Schulen weltweit gemeinsam ist: Innerhalb eines so genannten "Host Nation Programs" organisieren sie Kontakte zwischen amerikanischen und einheimischen Kindern und Jugendlichen.

"Es ist ein sehr ungewöhnliches Schulsystem, das im Jahr 1946 für US-amerikanische Schüler in Deutschland gegründet wurde", erzählt Simone Gutwerk. Die Grundschulpädagogin erforscht zurzeit im Rahmen ihrer Doktorarbeit die Geschichte dieses Schulsystems. Sein Ursprung liegt kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, als US-amerikanische Schulen für Kinder von Militärangehörigen in Deutschland und Japan gegründet wurden. Heute breitet es sich auf dem gesamten Globus aus - eben überall dort, wo Truppen stationiert sind. Seine Verwaltung liegt beim Verteidigungsministerium, was auch den Namen des Schulsystems erklärt: Department of Defense Dependent Schools (DoDDS).

Vor allem zwei Besonderheiten zeichnen das System aus: "Es ist zum einen ein lokal offenes und äußerst flexibles Schulsystem; zum anderen beinhaltet es in seinem Lehrplan ein für Amerika recht ungewöhnliches Schulfach: das Host Nation Program", erklärt Simone Gutwerk. Ziel des Programms sei es, "amerikanischen Schülern die jeweilige Umgebungskultur - Host Nation - nahe zu bringen". Dies gelte sowohl für die amerikanischen Klassenlehrkräfte, die ihre Unterrichtsinhalte auf kulturelle Gegebenheiten abstimmen, wie auch für die muttersprachlichen Fachlehrkräfte, die den Kindern in einem eigenen Schulfach die Kultur und Sprache der Host Nation vermitteln. Im Falle der hiesigen Schulen sind dies also deutsche Lehrkräfte, die an allen 35 in Deutschland noch bestehenden Grundschulen unterrichten.

"Überraschend ist, dass das "Host Nation Program" bereits in der Gründungsphase eingerichtet wurde. Kultur und Sprache wurden also bereits in jener Zeit von deutschen Lehrkräften unterrichtet, als die Host Nation kurz zuvor noch ein Kriegsgegner, "the mortal enemy", gewesen war", sagt Simone Gutwerk. Die Intention der amerikanischen Bildungsadministration war damit klar: "Since we are uninvited 'guests' in this land let us first explore the possibilities of creating good will, understanding and cooperation with its people, of commanding their respect for us and for our democratic ideals", heißt es dazu in den Akten der Militärregierung am 1. Januar 1946.

Auch wenn die europäische Schuladministration in Deutschland lokalisiert ist, musste die Doktorandin zum Quellenstudium weit reisen. Aktenbestände zur Geschichte des Schulsystems existieren nur noch in den USA, daher unternahm Gutwerk eine Studienreise nach Wichita, Kansas, um dort das American Overseas Schools Historical Archive aufzusuchen. Den nicht ganz billigen Studienaufenthalt unterstützte die Jubiläumsstiftung der Universität Würzburg. 15 Pfund kopiertes Archivmaterial sind Ergebnis der Recherche. Zu Tage kamen offizielle Dokumente und Berichte der damaligen Militärregierung, die auch das Schulwesen betreute. Zudem fand Gutwerk Unterrichtsmaterialien, Tagebücher, Fotos und Stoffverteilungspläne, die die Konzeption des Sprach- und Kulturprogramms der ersten amerikanischen Schulen in Deutschland offen legen.

"Die Daten geben, soweit ausgewertet, Hinweis darauf, dass neben einem grundlegenden Sprachunterricht intensive Kontakte zur deutschen Umgebungskultur initiiert wurden", berichtet Simone Gutwerk. Dies gelte zum einen auf unterrichtlicher Ebene, indem bereits in den Anfangsjahren Schulpartnerschaften mit deutschen Klassen gegründet und gemeinsame Ausflüge oder Sportveranstaltungen geplant wurden. Sie fanden aber auch auf schuladministrativer Ebene statt, indem die Koordinatoren des Programms im Pentagon Beratung und Unterstützung von deutscher Seite suchten, zum Beispiel beim Deutschen Institut für Internationale Pädagogische Forschung in Frankfurt. Bis alle Daten ausgewertet sind, wird es noch ein wenig dauern. Ende 2010 will Simone Gutwerk ihre Doktorarbeit beendet haben. Dann kann jeder Interessierte die Geschichte eines ungewöhnlichen Schulprogramms nachlesen.

Kontakt:
Lehrstuhl für Grundschulpädagogik und -didaktik der Universität Würzburg
Simone Gutwerk, Wissenschaftliche Mitarbeiterin
Wittelsbacherplatz 1
97074 Würzburg
Tel.: 0931 / 888 - 4864
Fax: 0931 / 888 - 7223
simone.gutwerk@mail.uni-wuerzburg.de

Quelle: Pressemitteilung Julius-Maximilians-Universität Würzburg, 22.05.2007

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23.4.07

Bad Oldesloe - Stadt am Wasser

Das Buchprojekt mit dem sich zur Zeit die Stadtarchivarin von Bad Oldesloe, Dr. Sylvina Zander beschäftigt, trägt den Arbeitstitel "Bad Oldesloe - Stadt am Wasser" (siehe Bericht vom 8.1.2007). Im Jahre 2008 soll das Werk, das in den einzelnen Kapiteln einen Überblick über die Geschichte der Mühlen, den Bau- und die Nutzung der Brücken, den Fischfang sowie die Schifffahrt auf der Trave gibt, erscheinen. Aber auch Themen wie eine zunehmende Verunreinigung der Gewässer und das wachsende Interesse an dem dringend notwendigen Naturschutz kommen nicht zu kurz. Großen Wert legt die Stadtarchivarin auch darauf, das Leben der Menschen darzustellen, die entlang der Oldesloer Flüsse wohnten und arbeiteten.

Zur Zeit beschäftigt sich Dr. Sylvina Zander bei ihren Recherchen im Stadtarchiv Bad Oldesloe hauptsächlich mit der Bedeutung des Moores, von dem es in früheren Jahrhunderten reichlich in der Umgebung von Bad Oldesloe gab. Heute weisen nur noch ein paar Stellen auf diese wichtige Einnahmequelle der damaligen Bevölkerung hin. Denn bevor die Kohle als Brennstoff entdeckt wurde, benutzte man zum Heizen entweder Holz oder Torf. So wurden allein in dem zu Bad Oldesloe gehörenden Moor gegen Ende des 18. Jahrhunderts ca. 600.000 Soden Torf gestochen. Dabei mussten vor allem im Sommer auch viele Kinder mithelfen. Wer Näheres zur Geschichte des Moores erfahren möchte, kann dieses im Bad Oldesloer Heimatmuseum tun. Darüber hinaus ist Dr. Sylvina Zander an zusätzlichen Informationen interessiert, die sich auf das heimische Moor beziehen, um dieses wichtige Thema ausführlich darstellen zu können.

Kontakt:
Stadtarchiv Bad Oldesloe
Markt 5
23843 Bad Oldesloe
Tel.: 04531 / 504 - 247
Fax: 04531 / 504 - 121

Quelle: Susanna Fofana, Lübecker Nachrichten, 22.4.2007

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21.4.07

Einbandfragmente in kirchlichen Archiven aus Kurhessen-Waldeck

„Wir haben elf, davon zwei aus dem 9. Jahrhundert und eines mit sehr deftigen pharmazeutischen Rezepten gegen die unterschiedlichsten Krankheiten“. – „Unsere Kirchengemeinde hat zwei hebräische, die zusammen ein Blatt eines bisher unbekannten Esther-Kommentars ergeben.“ Die Rede ist von Einbandfragmenten, die durch die vorliegende Publikation wieder in das Bewusstsein der Pfarrer, Pfarrerinnen und Gemeindeglieder gerückt sind. Die Kirchengemeinden - hier im Gespräch Bad Sooden-Allendorf und Neuengronau - sind stolz, Eigentümer solcher Schätze zu sein. In Rengershausen etwa wurde im Silvestergottesdienst, der zum 900-jährigen Ortsjubiläum 2007 übergeleitet hat ein liturgisches Fragment aus dem 12. Jahrhundert präsentiert, „fast so alt wie der Ort selbst“. Das Fragment ist Einband des ältesten Kirchenbuches Rengershausen von 1568.

Abb: Der Einband der Rechnung von 1641 aus Allendorf enthält medizinisch-pharmazeutische Rezepte gegen verschiedene Krankheiten. Die Rezepte wurden im 13./14. Jahrhundert aufgeschrieben. Dieser Text war bisher unbekannt.

Der Katalog bietet Abbildung und Beschreibung jedes einzelnen Fragmentes. Einleitung und Register führen in die ungewöhnlich spannende Materie ein und möchten im Umgang mit diesem einmaligem Kulturgut, das am besten als Depositum im Landeskirchlichen Archiv Kassel lagert, sensibilisieren: Warum wurden mittelalterliche Handschriften im 16. und 17. Jahrhundert zu Einbänden recycelt? Was haben Buchdruck und Reformation damit zu tun? Woher kommen die Handschriften? Welche Rolle spielten die Klöster Fulda und Hersfeld? Was ist ein Missale, was ein Brevier?

Ziel des Projektes ist es, alle mittelalterlichen Handschriften- und Inkunabelfragmente in Pfarrarchiven und anderen Archiven der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck zu erfassen, zeitlich und inhaltlich zu bestimmen und digital abzubilden. Um diese Absicht angemessen umsetzen zu können, konnte der Leiter der Handschriftenabteilung der Universitätsbibliothek Kassel, Dr. Konrad Wiedemann, im Rahmen einer großzügig gehandhabten Amtshilfe zur Mitarbeit gewonnen werden. Zum anderen war Ralf Gerstheimer bereit, die Fragmente ehrenamtlich zu digitalisieren. Erschließung wie auch Digitalisierung fanden nach Standards der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) statt.

Das Projekt begann im September 2003 mit einer Umfrage des Landeskirchlichen Archivs Kassel in allen Kirchengemeinden und anderen kirchlichen Einrichtungen, ob sie im Besitz mittelalterlicher Einbandfragmente sind. Die Auswertung von 735 verschickten Fragebögen ergab, dass in 35 Pfarrarchiven derartige Fragmente vorhanden sein mussten. Inzwischen liegen 178 Fragmente aus 55 kirchlichen Archiven vor. Sie bilden die Basis für vorliegende Publikation. Bekannt ist auch die Existenz von über 300 weiteren Fragmenten kirchlicher Provenienz, die seit knapp 100 Jahren als Deposita im Staatsarchiv Marburg liegen und in einem nächsten Schritt erschlossen und digitalisiert werden. Es ist davon auszugehen, dass zahlreiche weitere Fragmente in den Pfarrarchiven vor Ort darauf warten, aus ihrem Dornröschenschlaf geweckt und an das Licht der Öffentlichkeit geholt zu werden. Am Ende des Projekts wird eine Datenbank mit allen Fragmenten verfügbar sein.

Info:
Konrad Wiedemann, Bettina Wischhöfer: Einbandfragmente in kirchlichen Archiven aus Kurhessen-Waldeck (Schriften und Medien des Landeskirchlichen Archivs Kassel 21), Kassel 2007, ISBN 978-3-939017-02-7, 195 Seiten, 24,90 €.

Zu beziehen über das Landeskirchliche Archiv Kassel, E-Mail: archiv@ekkw.de.

Abb.: Der Einband der [Gottes]kastenrechnung von 1592 aus Hersfeld enthält Texte eines Missale. Der liturgische Text wurde um 1400 aufgeschrieben und mit bewohnten Knospen-Fleuronné-Initialen (Fabelfiguren) und Cadellen mit Drolerien verziert.

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2.4.07

Die Geschichte des Kreises Stormarn ab 1980

Im Auftrag der Kulturstiftung Stormarn, die das Projekt auch finanziert, erforscht Dr. Norbert Fischer, ein Kenner der Geschichte des Kreises Stormarn, die Entwicklung Stormarns von 1980 bis heute. Seine Forschungsarbeit soll Ende 2008 abgeschlossen sein. Für diesen Zeitraum ist auch die Publikation seines Buches geplant, das den Titel "Auf dem Weg zur Metropolregion" tragen wird. Dr. Fischer, Privatdozent am Historischen Seminar der Universität Hamburg, beschäftigt sich seit mehr als zehn Jahren mit der Geschichte des Kreises Stormarn und hat bereits mehrere Bücher darüber veröffentlicht, die sich mit dem Zeitraum bis 1980 auseinandersetzen. Sein aktuelles Projekt führt ihn mindestens zweimal die Woche ins Kreisarchiv Stormarn, wo er nicht nur Protokolle aus den Ausschüssen des Kreistages, sondern auch weitere Dokumente und Karten studiert, um sich ein umfassendes Bild zu diesem Thema zu verschaffen. Dazu gehören selbstverständlich auch Fotos aus dieser Zeit, von denen es im Kreisarchiv jedoch nur wenige gibt. Deshalb bittet Dr. Norbert Fischer alle Hobbyfotografen, die Aufnahmen aus den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts besitzen, die die Besonderheiten und Charakteristika des Kreises Stormarn zeigen, sich mit Jutta Gaede vom Kreisarchiv (Telefon: 04531 / 160 - 514) in Verbindung zu setzen.

Der Titel des Projektes geht auf die Gründung des Verbundes "Metropolregion" im Jahre 1991 zurück. Um eine bessere und effektivere Zusammenarbeit gewährleisten zu können, einigten sich die Bundesländer Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Hamburg damals darauf, den Stadtstaat Hamburg, acht niedersächsische Landkreise und sechs schleswig-holsteinische Kreise zu der Metropolregion Hamburg zusammenzufassen, in der auf einer Fläche von ca. 20.000 km² etwa 4,3 Millionen Menschen leben. Das Ziel Dr. Fischers ist es herauszuarbeiten, wie ein großstadtnaher Kreis wie Stormarn seine Identität trotz einer stattfindenden Globalisierung im Kleinen bewahren kann. Eine gute Möglichkeit dieses Ziel zu erreichen, sieht der Historiker unter anderem darin, mit gezielter Kultur- und Geschichtsarbeit dem Identitätsverlust entgegenzusteuern. Dazu zählen nicht nur Bücher, die sich mit der Region beschäftigen sowie die vom Kreisarchiv herausgegeben Stormarner Hefte, sondern auch das zunehmende Angebot an kulturellen Veranstaltungszentren, um die Menschen an ihre Heimatregion zu binden.

Kontakt:
Kreisarchiv Stormarn
Mommsenstraße 14
23843 Bad Oldesloe
Tel: 04531 / 160 - 448
Fax: 04531 / 160 - 536
kreisarchiv@kreis-stormarn.de

Quelle: Ulrike Schwalm, Hamburger Abendblatt, 31.3.2007

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18.3.07

Die Geschichte der Juden im Nachkriegsdeutschland

Die VolkswagenStiftung bewilligt rund 278.000 Euro für ein außergewöhnliches Projekt zur Aufarbeitung und Gesamtdarstellung der deutsch-jüdischen Geschichte nach 1945 Juden in Deutschland - ein Thema, das in der Betrachtung zumeist auf den Holocaust beschränkt bleibt oder in noch weiter in die Vergangenheit reichender Perspektive interessiert. Über die Nachkriegsgeschichte der Juden in Deutschland hingegen ist wenig bekannt; die Jahreszahl 1945 markiert für viele das vermeintliche Ende des Judentums in diesem Land. Und doch hat das jüdische Leben hierzulande viele Facetten: Wussten Sie, dass die hiesige jüdische Gemeinde die drittgrößte Europas ist? Derzeit gehören dem Zentralrat der Juden 102 einzelne Gemeinden mit rund 105.000 Mitgliedern an, doch man schätzt, dass wohl rund 200.000 Juden in Deutschland leben. Und deren Zahl wächst stetig. Dabei stellt - etwa mit Blick auf Fragen der Integration - vor allem die Zuwanderung aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion gerade für die Gemeinden selbst eine aktuelle Herausforderung dar.

Dieser stark vernachlässigten zeithistorischen Spur nachgehen und ein umfassendes Werk zur Geschichte der Juden in Deutschland seit 1945 erarbeiten: Das will Professor Dr. Michael Brenner von der Abteilung für Jüdische Geschichte und Kultur der Universität München, der zugleich Vorsitzender der Wissenschaftlichen Arbeitsgemeinschaft des Leo Baeck Instituts ist. Mit Hilfe namhafter jüdischer und nicht-jüdischer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler soll eine Gesamtdarstellung entstehen, die alle Facetten jüdischen Lebens in der Bundesrepublik und in der DDR behandelt. Die VolkswagenStiftung unterstützt die Forscher bei ihrer Arbeit mit rund 278.000 Euro. Auf diese Weise soll ein fünfter Band zur "Deutsch-jüdischen Geschichte in der Neuzeit" entstehen; an der Finanzierung der Arbeit an den ersten vier Bänden dieses Werkes hat sich die Stiftung zwischen 1990 und 1996 ebenfalls beteiligt.

Die Wissenschaftler wollen sowohl die inneren Beziehungen dieser Gruppe als auch die Beziehungen der Juden zu ihrer "Umwelt" untersuchen. Wie etwa sieht das Verhältnis zur deutschen, nicht-jüdischen Mehrheitsgesellschaft aus? Wie gestalten sich die Verbindungen zu den Juden außerhalb Deutschlands? Und wie bewältigen die jüdischen Gemeinden den großen Zustrom an Glaubensbrüdern und -schwestern aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion? Seit 1989 kamen 190.000 von ihnen als so genannte jüdische Kontingentflüchtlinge nach Deutschland, von denen bislang 80.000 in die jüdischen Gemeinden Deutschlands integriert werden konnten. Die jüdische Gemeinde zu Berlin war zum Beispiel wegen der Zuwanderung in den 1990er Jahren weltweit die am schnellsten wachsende ihrer Art.

Fünf Fragestellungen konturieren die gesamte Untersuchung:
1. Wie stellt sich die demografische Struktur der Juden in Deutschland nach 1945 dar, und wie wirken sich die jüdischen Migrationsströme, die teilweise aus Deutschland herein- und herausführten, aus?
2. Welche Sozialstruktur und Geschlechterbeziehungen lassen sich im Vergleich zur deutschen, nicht-jüdischen Mehrheitsgesellschaft ausmachen?
3. Wie haben sich politische und kulturelle Beteiligungsprozesse der Juden in Deutschland verändert?
4. Welche Rolle spielen Religion und Ethnizität für individuelle und kollektive jüdische Identitäten?
5. Wie lässt sich das Verhältnis zwischen den Juden in Deutschland und der sich entwickelnden Zivilgesellschaft in der Bundesrepublik unter Berücksichtigung des Spannungsverhältnisses zur DDR beschreiben?

Das Wissenschaftlerteam wird hierzu die Bestände verschiedener Archive in Deutschland - darunter das Zentralarchiv zur Erforschung der Geschichte der Juden in Deutschland - sowie in Großbritannien, den USA und in Israel in ihre Analysen einbeziehen. Neben der archivalischen Überlieferung ist eine Auswertung von Medien (Zeitungen, Hörfunk, Fernsehen), aber auch von Literatur und Theater geplant.

Kontakt:
VolkswagenStiftung
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Dr. Christian Jung
Tel.: 0511 / 8381 - 380
jung@volkswagenstiftung.de

Universität München
Historisches Seminar
Prof. Dr. Michael Brenner
Tel.: 089 / 2180 - 5570
Michael.Brenner@lrz.uni-muenchen.de

Quelle: VolkswagenStiftung, Uni-Protokolle, 16.3.2007

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